Marcel Mellor

SF-Autor und Digitalstratege


Warum meine Webseite kein Cookie-Banner mehr hat

Am Anfang war es eine sportliche Herausforderung. Und auch etwas Spielerei. Ich wollte den Cookie-Consent von marcelmellor.com verbannen. Meine Webseite ist ein Blog, ohne Landingpages, ohne "Lead Magnet", kurz ohne den ganzen Zinnober, der sich nur mit reichlich Datenerfassung betreiben lässt. Bei mir gibt es nur Artikel. Und es wurmte mich, dass ich trotzdem jedem Besucher erst mal das allseits gehasste Cookie-Banner vor den Latz knallte.

Über Wochen habe ich eine Cookie-Quelle nach der anderen eliminiert und das Ergebnis hat mich überrascht: der Blog ist jetzt benutzerfreundlicher und der Betrieb für mich viel angenehmer geworden. Dazu haben besonders drei Maßnahmen beigetragen.

Google Analytics ersetzt

Ich hasse Google Analytics. Das sage ich nicht, weil ich eine Abneigung gegen komplexe Analyse-Software habe (im Gegenteil!), sondern weil ich nicht zur Zielgruppe gehöre. "GA" ist optimiert für Power Marketer, die Google Adwords Anzeigen schalten. Nicht für Website-Betreiber, die einfach wissen wollen, welche Seiten gut klicken. Die Benutzeroberfläche von Google Analytics, ein Albtraum in Material Design, wird mit jeder Version unübersichtlicher. Und es ist nicht möglich, GA zu benutzen, ohne sich die Erlaubnis seiner Nutzer zu holen. Zwar will Google in der neusten Version irgendwann auf Cookies verzichten (und sie durch Machine Learning ersetzen), aber dafür wird dann mehr getrackt denn je.

Auf der Suche nach Alternativen bin ich auf GoatCounter gestoßen. Dieser Tracker verzichtet komplett auf Cookies und setzt stattdessen einen simplen Hash-Algorithmus ein. Vor allem zeigt mir das Dashboard genau das, was ich wissen will: Reichweite und Quellen. Ich lieb's! ❤️

Newsletter-Formular ersetzt

Newsletter-Abonnenten in einem CRM abzuspeichern, ist erst mal unkritisch – das braucht keinen Consent, erst recht nicht von allen Websitebesuchern. Das Problem entsteht, wenn man das entsprechende Anmeldeformular seines CRMs einbindet. Das bringt nämlich viel Magie und oft auch Cookies mit sich. Zunächst habe ich erwogen, mir ein eigenes Formular zu bauen, aber dann bin ich auf einen viel eleganteren Weg gestoßen: Abonnieren per E-Mail. Statt einem Formular gibt es jetzt nur noch einen Button und wenn man den klickt, öffnet sich das eigene E-Mail-Programm mit einer bereits vorgeschriebenen Email an newsletter-bestellen@marcelmellor.com. Und sobald man die abschickt, ist man auf meiner Liste. Hier der Beweis.

Ja, äh, Moment, sagen jetzt die Marketer, was ist mit dem Double-Opt-In?! Brauche ich nicht! Da meine Abonnenten ja die Mail von der eigenen E-Mail-Adresse aus verschickt haben, gehört sie ganz offensichtlich ihnen. Diese elegante "Subscription via Email-"Methode bieten die meisten Newsletter-Tools und CRMs.

Twitter & Co. nicht mehr einbinden

Der Endgegner. Eigentlich finde es total nett, Tweets, Videos und Widgets mit einem Code-Schnipsel einzubinden. Aber nur deswegen einen Cookie-Banner anzeigen? Ich hätte natürlich den Consent direkt beim jeweiligen Element abfragen können – das kennt man von Nachrichtenseiten, die sich erst mal freigeben lassen, dass sie nun einen Tweet anzeigen dürfen. Irgendwie auch Banane ...

Am Ende entschied ich mich, solche Inhalte in Zukunft einfach zu verlinken. So macht das ja auch eigentlich im Internet.

Fazit

Kein Cookie-Banner mehr, eine deutlich geschrumpfte Datenschutzerklärung und keinerlei Einbußen bei der Nutzererfahrung. Manchmal kann Datenschutz Spaß machen! Die teils radikalen Schritte, die ich unternommen habe, sind selbstverständlich nicht für alle Webseiten denkbar. Aber wenn ihr ebenfalls einen Blog oder eine einfache Portfolio-Seite betreibt, überlegt doch mal, ob ihr nicht euch und euren Besuchern das Leben erleichtern wollt. Es tut nicht weh.