Vor sechzig Jahren verabschiedete der US-Kongress ein Gesetz, das ziemlich pathetisch beginnt:

Der “National Aeronautics and Space Act” von Juli 1958 ist das Gründungsdokument der NASA - der coolsten Behörde der Welt. Und das hier waren ihre Hausaufgaben:

Genau, pathetisch. Oder auch: erstunken und erlogen. In den Weltraum wollten die Amerikaner natürlich hauptsächlich aus militärischen Gründen und zum Mond, um den Kommunisten eins auszuwischen. “Der einzige Zweck der Mondlandung”, schreibt Jason Kottke, “war es, diese zu filmen und live zurück zur Erde zu senden”. Die NASA, bloß ein glitzerndes Ablenkungsmanöver? Die Mondlandung nur Propaganda-TV, wissenschaftlich komplett uninteressant?

Selbst wenn, das ändert nichts an einer absolut abgefahrenen Tatsache: Die NASA hat es geschafft. Genau 11 Jahre nach ihrer Gründung bekam sie tatsächlich drei Männer zum Mond und zurück, mit einem Computer, der heute von jeder Waschmaschine übertrumpft wird, und 600 Millionen Menschen sahen diesen Moment:

Das Paradoxe ist, dass es erst danach so richtig spannend im Weltraum wurde - aber jetzt schaute keiner mehr zu. NASA und andere Raumfahrtbehörden liefern bis heute spektakuläre Manöver im All ab, die meisten davon landen auf der “Breakthrough of the Year”-Liste. Aber wie viele von uns haben 2014 mitbekommen, dass die ESA einem Kometen hinterherflog und eine Sonde auf ihm platzierte? Eben. (Falls du jetzt googlen solltest: Es gibt nur diese unfassbar langweilige Übertragung der Rosetta-Mission)

Der Grund ist nicht nur, dass Raumfahrt eben out ist. In dem National Aeronautics and Space Act steckt etwas, das uns die letzten sechzig Jahre abhanden gekommen ist: Ein naives, hingebungsvolles Vertrauen in den technologischen Fortschritt. Das Raumfahrtzeitalter war vor allen Dingen optimistisch, es träumte von der Zukunft und zelebrierte die Schritte dorthin.

Und wir? Wir haben schon lange keinen Durchbruch mehr zelebriert. Sechzig Jahre nach dem Space Act postuliert die Zeitschrift Wired eine “Große Tech-Panik”: Immer mehr Lichtgestalten der Hightech-Industrie gehen mit Albträumen hausieren, sie sprechen von dem “existentiellen Risiko” Künstlicher Intelligenz und warnen davor, dass in Kürze viele Millionen Jobs wegautomatisiert werden.

Albträume sind keine gute Grundlage für die Zukunft.

Wir stehen vor Herausforderungen, die größer sind, als eine Mondlandung. Die meisten davon hat uns ausgerechnet der technologische Fortschritt eingebrockt. Gerade deswegen müssen wir es wieder lernen, von einer besseren Zukunft zu träumen. Vielleicht braucht es dafür eine zweite NASA, eine Art “weltweiter Energiewenden-Behörde” mit pathetischer Mission, was weiß ich.

In der Zwischenzeit hilft es, wenn wir beim nächsten kleinen Durchbruch innehalten. Hinsehen. Und applaudieren.