Noch in Jahrzehnten werden wir googeln und ein Facebook-Konto haben. Es ist undenkbar, dass die Internet-Giganten, die uns schon seit Ewigkeiten begleiten, verdrängt werden. Warum eigentlich?

Philipp ist 18 Jahre alt und beginnt in diesem Jahr sein Studium. Das Internet ist für ihn wie Zähneputzen: es war einfach schon immer da und irgendwie auch immer gleich.

Schon seine Eltern haben so den Tornister bestellt:

Und sie haben so nach Ideen für seine Schultüte gesucht:

Als Philipp auf die weiterführende Schule kam, richtete er ein Facebook-Konto ein (StudiVZ hat er nicht mitbekommen). Apps kamen und gingen, die großen Plattformen blieben.

Philipp hat nie darüber nachgedacht, aber natürlich wird er auch noch als Rentner googeln, ein Facebook-Konto haben und bei Amazon shoppen.

Nur: Stimmt das überhaupt?

Natürliche Monopolisten

Es gab eine Zeit, in der auch die großen Plattformen vor nichts sicher waren. MySpace galt als “Natürliches Monopol”, es schien sich im Internet festgebissen zu haben und niemand, erst recht nicht Facebook, galt als ernsthafte Bedrohung. Selbst der Vorsprung von StudiVZ galt hierzulande als uneinholbar. Wegen Netzwerkeffekten.

Und Google? War zwar bereits 2004 die wertvollste Medienmarke der Welt, aber die Erinnerung daran, wie schnell wir alle unsere Suchmaschine gewechselt hatten, war noch da. Also warum sollte es nicht noch mal passieren?

Aber es passierte eben nicht. Die Giganten, die MySpace, Friendster und Altavista niedermähten, haben sich nie einer wirklichen Bedrohung ausgesetzt gefühlt. Sie sind das Internet. Buchstäblich nicht mehr wegzudenken.

Wo sind die Alternativen?

Nach dem Cambridge-Analytica-Skandal hat sich Mark Zuckerberg den Fragen des US-Senats und des US-Repräsentantenhauses gestellt. Er hat beantwortet, warum die auf Facebook.com gezeigte Führungsebene ausschließlich weiß ist und ob er von den illegalen Elfenbeinverkäufen in Facebook-Gruppen wisse. Super.

Natürlich gab es reißerische Headlines wie “Das Ende von Facebook” oder “Facebook ist tot”. Und natürlich hat niemand sie ernst genommen.

Dabei würden wir uns alle über Alternativen freuen. Das Vertrauen in soziale Plattformen sinkt von Jahr zu Jahr, inzwischen findet sie nur noch die Hälfte der Nutzer glaubwürdig. Es scheint, dass nur noch Netzwerkeffekte dafür sorgen, dass wir nicht in Scharen abhauen, in Richtung ... tja, genau. Wohin eigentlich?

Alternativen entstehen nämlich nicht durch Datenskandale und CEO-Kreuzverhöre, sondern durch pfiffige Gegenentwürfe und Entrepreneure. Und von denen hört man nicht viel. Wer ist denn bitte angetreten als der Facebook-Nachfolger? Als eine ernsthafte Bedrohung für die Google-Suche oder zumindest einen Teil davon?

Entweder traut sich niemand - oder wir haben kein Interesse an Alternativen. Haben die Neugierde verloren, mit der wir damals das erste Wort in die Google-Searchbar tippten.

Das lässt sich ändern.

Warum nicht einfach mal duckduckgo ausprobieren? Ein alternatives soziales Netzwerk? Nicht aus Protest, sondern aus Neugierde auf tolle, vielleicht bessere Lösungen.

Das Internet ist nicht fertig. Aber es könnte mal wieder einen Kontinentaldrift vertragen.

Bildnachweis: “Social Decay”, mit freundlicher Genehmigung von Andrei Lacatusu