Marcel Mellor

SF-Autor und Digitalstratege

Jetzt mental gesund bleiben: 5 Tipps gegen den Lagerkoller

Der neue Coronavirus gefährdet unser aller Gesundheit. Und damit meine ich nicht die offensichtliche und größte Gefahr, die Erkrankung an Covid-19, sondern die Folgen der aktuellen Gegenmaßnahmen. Soziale Distanzierung, Quarantäne, Home Office – niemand von uns wurde auf diesen Reset unseres Alltags vorbereitet.

Ich selbst habe in den letzten zehn Jahren überdurchschnittlich viele Stunden zu Hause verbracht, unter anderem als Gründer eines dezentral arbeitenden Startups, heute als nebenberuflicher Autor (dem “Beruf der Einsamkeit”).

Ich kann dir sagen: die ersten Tage fühlt es sich befreiend und interessant an, wenn man alles von zu Hause aus regeln kann. Danach kommt der Lagerkoller. Und der ist eklig.

Niemand von uns wurde auf diese Situation vorbereitet. Das hier sind die Tipps, die mir selber geholfen haben und nun wieder helfen.

Die Außenwelt hineinlassen

Draußen ist der Virus, aber auch alles andere, was wir als Säugetiere benötigen. Vor allem lass Tageslicht in deinen Alltag. Falls du viel am Schreibtisch arbeitest, stell ihn vor das Fenster (selbst wenn du damit die Heizung zustellst), nicht in eine Zimmerecke. Ebenso wichtig: Luft. Öffne mehrmals am Tag das Fenster; sicherheitshalber lass dich von einer App wie CO2-Timer daran erinnern. Ein geöffnetes Fenster liefert dir neben Sauerstoff auch den richtigen Sound: Vogelgezwitscher, Geschirrgeklapper vom Nachbarbalkon, das (sehr gedämpfte) Grummeln der Großstadt. Außenwelt.

Bewusst arbeiten

Richte dir einen Arbeitsplatz ein. Das heißt: einen Platz, an dem du nur arbeitest und an dem nur du arbeitest. Wenn du keinen Schreibtisch besitzt, dann erkläre eine bestimmte Ecke deines Küchentischs zum Arbeitsplatz. Gehe bewusst “zur Arbeit”, inklusive Verabschiedung von deinen Mitbewohnern. Es hilft, sich für die Arbeit anzuziehen, aber es muss nicht der Business-Dress sein. Business-Hausschuhe reichen.

Trenne privat und beruflich, am besten unterteilt nach Gerät. Am einfachsten ist es wahrscheinlich, wenn du deinen Computer für die Arbeit benutzt und dein Smartphone für den Rest. Kompliziert wird es beim Telefonieren – die meisten von uns werden, gerade in der jetzigen Situation, das Handy für Bürotelefonate nutzen. Mit der App satellite kannst du eine zweite Telefonnummer auf deinem Smartphone installieren und sie für berufliche Telefonate nutzen. Nach Feierabend kannst du den Anschluss abschalten.

Auf deinen Körper achten

Jahrelanges Arbeiten am Küchentisch haben meinen Rücken ruiniert. Und auch dein Rücken wird sich nach dem dritten Tag auf einem Holzstuhl melden. Versuche also irgendwie einen Schreibtischstuhl zu organisieren – notfalls bestell dir einen Bürostuhl von Amazon Basics. Das ist besser als nichts.

Überhaupt, sitze so wenig wie möglich. Die WHO empfiehlt, besonders für die jetzige Zeit, eine halbe Stunde Sport. Für Kinder eine ganze Stunde. Fitness-Apps gibt es viele, man muss sie nur nutzen.

Bewusst Freizeit haben

Trenne dich, entschlossen und sichtbar, von der Arbeit. Keine Mittagspausen am Schreibtisch, stattdessen richtige und ausführliche Pausen – auch zwischendurch. Versuche beispielsweise das Kaffeemachen aufwändig zu gestalten.

Und nach der Arbeit? Fülle den Feierabend - wenn möglich - mit echter Freizeit, zum Beispiel mit einem Hobby. Dazu gehört nicht Netflix, sondern eine einigermaßen anspruchsvolle und fesselnde Tätigkeit mit schnellen Erfolgserlebnissen.

Plane deine Freizeit. Verabrede mit deinen Lieben eine Abendgestaltung, auf die ihr euch gemeinsam freuen könnt - ein Spieleabend, ein langes Telefongespräch mit Freunden, ein romantisches Dinner.

Die Gedanken sauber halten

Verfolge NICHT die Liveberichterstattung zur Corona-Pandemie. Die Liveblogs und Corona-Ticker der Nachrichtenseiten bestehen aus Anekdoten, Annahmen und Aufgewärmten. Sie haben nur ein Ziel: möglichst viele Klicks und Werbeeinblendungen. Sie werden dich nicht informierter machen, sondern gestresster.

Es ist sicher richtig, sich einmal am Tag, am besten Abends, über die aktuelle Entwicklung zu informieren. Auf dieser Website findest du eine tagesaktuelle Aufbereitung der Zahlen, viele Nachrichtenseiten bieten außerdem eine tägliche Zusammenfassung an.

Halte dich an eine Kernlehre des Stoizismus: Wie du empfindest, kannst am Ende nur du bestimmen, nicht äußere Umstände. Wir dämmen die Pandemie nicht ein, wenn wir ständig über sie nachdenken.

Ich wünsche dir, trotz allem, eine gute Zeit – mit Erlebnissen und Momenten, die wir im Nachhinein nicht missen möchten. Und natürlich: achte auf dich, bleib gesund!

Viele liebe Grüße

Marcel

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