Marcel Mellor

SF-Autor und Digitalstratege

Mit Push-Benachrichtungen zu mehr Konzentration und Fokus

Wer mehr Achtsamkeit und Fokus anstrebt, für den scheinen Push Notifications der Endgegner zu sein. So mancher deaktiviert sie komplett, für andere ist das “Pling” ihres Handys zu einem Störrauschen geworden. Schade! Denn eigentlich sind Push Notifications das perfekte Werkzeug für mehr Konzentration.

Wie oft hat dein Smartphone dir heute schon eine Benachrichtigung angezeigt? Ging es um etwas dringendes – oder hast du die Notification ignoriert?

Wer auf mehr Achtsamkeit und Fokus aus ist, für den scheinen Push Notifications der Endgegner zu sein. Die Wurzel allen Übels. Der Grund dafür, dass ein Smartphone unsere Konzentration reduziert, selbst wenn es nur ganz still auf dem Tisch liegt.

Aber das muss nicht so sein. Push Noficiations können dir helfen, dich zu konzentrieren und nicht zum Smartphone zu greifen – wenn du sie richtig konfigurierst.

Wie Apps heute Push Notifications missbrauchen

Das Geschäftsmodell vieler Apps beruht darauf, dass wir möglichst viel Zeit mit ihnen verbringen. Die Macher dahinter versuchen, dass ihre App ein Teil unserer Gewohnheiten wird. Dafür arbeiten sie mit dem sogenannten Hooked Model von Nir Eyal:

Ein Trigger löst eine Aktion aus, die zu einer “variablen Belohnung” führt. Beispiel: eine roter Punkt am App Icon (Trigger) bringt uns dazu, die App zu öffnen (Action) und einen neuen Like zu sehen (Belohnung). Wenn eine App diesen Zyklus oft genug mit uns durchläuft, braucht es irgendwann den Trigger nicht mehr – eine Gewohnheit ist entstanden.

Dieses Modell stammt aus dem Buch “Hooked: How to Build Habit-Forming Products”, einem Standardwerk im Silicon Valley, und es erklärt viele Mechnismen, die wir aus nahezu allen Apps kennen. Zum Beispiel diesen hier:

Dieses Feature war mal sehr innovativ, ist inzwischen aber sinnfrei. Es gibt längst technische Möglichkeiten, Daten automatisch nachzuladen. Aber wie Loren Brichter, der Erfinder von “Pull to Refresh”, selbst zugibt, erfüllt der Mechanismus die zweite Stufe des Hooked Models. “Pull to Refresh” ist das, was bei einem Spielautomat der Hebel ist: ein pyschologischer Trick, der dem Nutzer ein Gefühl von Kontrolle suggeriert und extrem suchterzeugend ist.

Push Notifactions können eines Teil dieses fragwürdigen Modells sein. Sie sind dann bloßer Trigger, keine Benachrichtigung, und haben den alleinigen Zweck, dass wir eine App öffnen. Das erkennt man meist schon an vage formulierten Texten wie “Es gibt Reaktionen zu deinem Beitrag …”.

Für all das waren Push Benachrichtigungen natürlich nie gedacht. Apple sagt in seinen Design-Guidelines, dass Benachrichtigungen für “zeitkritische und wichtigen Informationen” gedacht sind – und betont gleich im nächsten Satz: “Nutzer schätzen es, Benachrichtigungen für etwas zu erhalten, das ihnen wichtig ist. Aber sie schätzen es nicht, unterbrochen zu werden.”

Die gute Nachricht: wenn man Push Notifactions richtig benutzt, dann können Sie helfen, dem “Hooked Model” zu entgehen und Apps nur zu öffnen, wenn wir es wirklich wollen.

Wie du Push Notifications richtig einsetzen kannst

Bei der Konfiguration meiner Benachrichtungen gehe ich nach folgendem Schema vor:

Beispiele für unwichtige Benachrichtungen sind für mich:

  • alle Eilmeldungen von Nachrichtenseiten (nie wirklich dringend und außerdem kriegt man ja genau diese Inhalte auch so mit)
  • “Empfehlungen” für Posts oder Personen, die mich angeblich interessieren (das ist teilweise sehr schwer abzustellen, besonders bei Twitter)
  • Browser-Benachrichtigungen. Die sind wirklich und kategorisch immer Mist.

Ergebnis? Mein Gehirn hat gelernt, dass mein Handy nur “plingt”, wenn es wichtig ist. Und ich habe mir dadurch abtrainieren können, ständig bei Twitter und Insta vorbeizuschauen, bloß um zu checken, ob ich etwas “verpasst” habe.

Wie machst du das? Stören dich die Benachrichtigungen deines Smartphones überhaupt? Oder schaltest du sie rigeros ab? Schreib mir gerne – ich bin gespannt!