Wie du dir berufliche Ziele setzt


Wir alle wissen, dass Neujahrsvorsätze nicht funktionieren. Wer sich in der Silvesternacht, übermüdet und angetrunken, schwört, im nächsten Jahr mehr Sport zu machen, hat dafür in der ersten Februarwoche meist nur noch ein Lächeln übrig. Und für berufliche Ziele funktionieren die „guten Vorsätze“ erst recht nicht. Man kann sich nicht einfach vornehmen, mehr Verantwortung zu übernehmen (meiner Erfahrung nach).

Trotzdem sind langfristige Ziele wichtig und sinnvoll. Ich selbst habe gute Erfahrung damit gemacht, mir private und berufliche Vorsätze für das kommende Jahr zu setzen – aber nicht im klassischen Format. Hier sind meine vier Hacks:

1) Nicht im Januar starten

Der Januar ist denkbar ungeeignet, um mit neuen Vorsätzen zu starten. Nach einem ausgefüllten Weihnachtsprogramm ist es für uns meistens die erste Gelegenheit, Luft zu holen und uns selbst zu sortieren. Der Produktivitätsexperte Mike Vardy empfiehlt deswegen, das neue Jahr im Februar zu starten.

Ich fahre seit Jahren gut mit dieser Strategie. Statt dass ich mit halbgaren Vorsätzen ins neue Jahr starte, nutze ich die Januarwochen, um mich in Stellung zu bringen. Das heißt: sortieren, zurückblicken und meinen Zielen für das Jahr den letzten Schliff geben.

2) Thema statt Ziel

Konkrete Ziele sind zwar gut, doch für einen langen Zeitraum wie ein Jahr sind Prinzipien besser geeignet. Ein Prinzip schreibt zwar nicht vor, was man tun sollte. Aber wenn wir die Wahl aus zwei Optionen haben, hilft es uns, eine Entscheidung zu treffen.

Ich schnüre deswegen kein Bündel von Vorsätzen mehr, sondern stelle jedes Jahr unter ein Thema. Dieses Thema besteht meist nur aus ein oder zwei Wörtern (das habe ich mir abgeschaut von Ryan Holiday und CGP Grey). Es bietet die Leitplanken für die kleinen und großen Entscheidungen des kommenden Jahres.

Mein Thema für 2024 ist „Get Ready“. Ich möchte in diesem Jahr Optionen schaffen, mein Akku aufladen, experimentieren – aber keine Großprojekte starten. Das Jahres-Thema hilft mir immer wieder bei der Frage, was ich als Nächstes tue.

3) Fortsetzung, kein Neuanfang

Vorsätze für das Jahr sollten nicht im luftleeren Raum entstehen, sondern auf dem aufbauen, was du im letzten Jahr gelernt, erlebt und erreicht hast. Dafür kannst du dir die Starfish-Methode von agilen Retrospektiven abschauen:

  • More of: Welche deiner Erfahrungen und Tätigkeiten möchtest du im nächsten Jahr ausweiten?
  • Keep doing: Was soll so bleiben wie bisher? Achtung: das Niveau zu halten, kann Arbeit bedeuten. Deswegen ist es hilfreich, wenn du dir auch diese Aspekte bewusst machst.
  • Less of: Was möchtest du im nächsten Jahr herunterfahren?
  • Stop doing: Welche Angewohnheiten und Aktivitäten sollen im nächsten Jahr nicht mehr stattfinden?
  • Start doing: Ein neues Ritual oder eine Angewohnheit, die du ausprobieren möchtest. Achtung: gehe ein komplett neues Thema nicht mit Vollgas an (das Problem vieler Neujahresvorsätze). Besser ist es, du startest mit einem kleinen Experiment.

4) Den nächsten konkreten Schritt planen

Es bringt dir kaum etwas, wenn du das ganze Jahr jetzt schon verplanst – allein schon, weil einige deiner Ideen in ein paar Monaten obsolet oder uninteressant sein könnten.

Überlege dir stattdessen, was du ab morgen für deine Ziele tun kannst. David Alan, der Erfinder der Getting-Things-Done-Methode, nennt das „die nächste physische, sichtbare Aktion“. Wenn dein Ziel „Mehr Verantwortung übernehmen“ ist, könntest du im ersten Schritt aufschreiben, welche Möglichkeiten sich dir überhaupt bieten. Oder ein Buch zum Thema lesen. Oder einen Kollegen bitten, dir Tipps zu geben. Der nächste Schritt ist nicht, sich den Karrieresprung einfach nur vorzunehmen, und wahrscheinlich heißt es auch nicht, dass du deinen Chef nach einer Beförderung fragst.

Die Richtung zählt

„Die meisten Menschen überschätzen, was sie in einem Jahr erreichen können und unterschätzen, was sie in 10 Jahren erreichen können“, sagte Bill Gates einmal. Langfristige Ziele erreicht man nicht, indem man unzählige Vorsätze fasst, sondern indem man eine bestimmte Richtung verfolgt – und dann den ersten Schritt geht.

Darf man sich in der Silvesternacht trotzdem vornehmen, mehr Sport zu machen? Klar. Hab ich auch gemacht.