Genau wie der Inhalt eines Buch durchläuft auch das Cover einige Stufen und Schleifen, bevor es dem Designer, Autor und - am wichtigsten - dem Leser gefällt. Das Cover von Das Register entstand in einem Design-Wettbewerb, der nur wenige Tage andauerte. Wie der Designer und ich es geschafft haben, den Entwurf auch in dieser kurzen Zeit mehrmals umzukrempeln und sogar das Feedback von Lesern einzuarbeiten zeige ich euch in diesem Post.

Favorit in letzter Minute

Vor kurzem hatte ich davon berichtet, dass das Cover für Das Register per “Crowdsourcing” entstand und welche Stolpersteine es dabei gab. Der Design-Wettbewerb war bereits halb herum und ich hatte beinahe die Hoffnung aufgegeben, noch einen Entwurf zu erhalten, den ich wirklich gut fand. Dann aber wurde dieses Cover eingereicht:

Das Register - Cover Entwurf 1  Bei den anderen Covern hatte ich das Gefühl gehabt, sie alle schon mal “irgendwo gesehen” zu haben, aber dieser Entwurf war erfrischend anders. Der Designer erklärte mir, das das Bild vollständig am Computer modelliert wäre und dadurch in jedem Fall exklusiv war. Mir wurde sofort ein anderer Vorteil klar: An diesem Bild konnte man herumspielen, bis es perfekt war, auch nach Erscheinen des Buches. Genau, das was ich wollte!

Nun hatte ich also einen Favoriten, allerdings einen, der noch lange nicht perfekt war. Größtes Problem: Der strahlend weiße Innenraum hinter der Tür. Ich mochte ihn, aber dummerweise machte er keinen Sin. Das Register ist nicht das Portal zu einer zauberhaften, besseren Welt. Es ist vielmehr unklar, ob die Nachrichten, die das Register preisgibt, für ihre Empfänger zum besten sind. Und es gab noch weitere Probleme. Unter anderem die blaue Wandfarbe, die mich eher an einen regionalen Krimi (ich weiß nicht warum) als an einen dystopsichen Roman erinnerte.
Zum Glück war das alles kein Problem, schließlich ließ sich an diesem Bild schnell herumfeilen. Flugs alle Verbesserungswünsche angemerkt und bald war der nächste Wurf im Postkasten:

Das Register - Cover Entwurf 2  Schon besser! Allerdings war die Schrift, die vorher schon nicht optimal gewesen war, nun eindeutig in die falsche Richtung gedriftet. Ich erklärte dem Designer, dass eher der Eindruck von Buchstaben auf einem modernen Computerbildschirm entstehen sollte, nicht der einer Vegas-Laufschrift. Mir kam außerdem die Idee, durch Kleinbuchstaben den Befehl in einem Terminal anzudeuten.
Das Register - Cover Entwurf 3

Aha! Nun kam mir noch die Idee, die Schriftgröße für das Wort „register“ zu erhöhen und in eine zweite Zeile, leicht versetzt, zu packen. Der Designer war anfangs nicht überzeugt, aber in das Ergebnis verliebte er sich dann genauso wie ich.

Das Register - Cover Entwurf 4  Wir waren auf der richtigen Spur, das fühlte ich. Eine letzte Idee wollte ich noch unbedingt ausprobieren, angespornt davon, dass man mit den Bestandteilen des Bildes problemlos spielen konnte: Lampen über den Türen, die deutlich machten, dass wir hier keinen normalen Büroflur sehen.

Das Register - Cover Entwurf 5

Fertig!

Spätestens jetzt war es Zeit, ein Feature von desigenenlassen.de zu nutzen, das sich die Macher von dem Vorbild 99designs abgeschaut haben: Die Möglichkeit, Tester abstimmen zu lassen. Das beste Cover bringt nichts, wenn es nicht zukünftige Lesern anspricht und sie neugierig macht. Und wie ich aus meiner beruflichen Erfahrung als Product Owner weiß, geht ein initiale Produktdesign meist immer an den Vorliebe und Bedürfnissen der “Leute da draußen” vorbei - es geht also darum, so schnell wie möglich herauszufinden, was noch nicht funktioniert.

In diesem Fall hatte ich aber das Gefühl, dass der Fall klar war. Wahrscheinlich war genau das der Fehler.

Das Ergebnis wird mich überraschen.

Ergebnis des Votings: Alle fanden das Cover doof! In Sternen: 1 von 5. Das ist nicht „mittelgut“ oder „hat noch Potential“. Eher: „Besser gar kein Cover als so etwas“.
Noch schlimmer: Ich hatte andere Cover, die ganz und gar nicht zu meinen Favoriten gehörten, ins Voting geschickt, als Negativoption sozusagen. Ich wollte ja, dass die Leute sich entscheiden, nur bitteschön genauso wie ich. Allerdings fanden die Tester die anderen Cover offensichtlich viel, viel besser.

Wieder kramte ich ein Mantra meiner beruflichen Erfahrung hervor: Höre auf deine Kunden, aber baue niemals das, was sie sich wünschen. Was hatten die zukünftigen Leser in Wirklichkeit abgestraft? Das Motiv? Schien es ihnen nicht geheimnisvoll genug? Oder war es etwas anderes?

Gespräche mit einigen Testern machten deutlich: Was die anderen Cover besser machte, war die Gestaltung des Titels. Meine raffinierten Ideen, in die der Designer und ich am Ende viel Zeit gesteckt hatten, waren also kontraproduktiv gewesen. Und die Uhr tickte. Es bliebe nur noch ein paar Tage, bis ich mich für ein finales Design entscheiden musste.

Aufräumen, schnell

Als ersten entschied ich mich dazu, den Titel klassisch darzustellen. Auch die Lampen strichen wir wieder raus - das schien doch etwas zuviel des guten zu sein.

Das Register - Cover Entwurf 6  Besser. Was war noch an dem Cover problematisch? Ganz offensichtlich die Türen. Einer der Tester sagte mir, dass er “besonders diese Umkleidekabinen komisch” fand. Autsch! Die Türen waren offenkundig weder geheimnisvoll noch düster. Eine Kleinigkeit, mit der ich dieses Problem reparieren wollte, waren Ziffern auf den Türen. Das verstärkte den Eindruck eines Büros und gab dem ganzen etwas kafkaeskes. Außerdem wünschte ich mir, dass die “Kamera” deutlich weiter nach hinten ginge.

Das Register - Cover Entwurf 7  Das sah sehr gut aus - zumindest wenn man es in hoher Auflösung auf einem Computerbildschirm betrachtete. Wie ich allen Designern allerdings immer wieder herunterbetete, würden nur 2% der Nutzer eine große Ansicht zu sehen bekommen. Selbst auf der Detailseite von Amazon wird ein Cover ziemlich klein dargestellt.

Die Zahlen mussten größer. Ich beschloss außerdem, den Lampen noch eine zweite Chance zu geben.

Das Register - Cover Entwurf 8  Nett, allerdings wirkten die Lampen eher wie bunte Stecknadelköpfe. “Der Helligkeitsregler bei den Lampen ist noch nicht am Anschlag”, sagte der Designer. Na dann.

Das Register - Cover Entwurf 9  Horaaay, we have a Buchcover! Am Ende eine ziemliche Punktlandung, aber ich war sehr zufrieden.

Kein finales Design

Wir ich schon sagte, halte ich nichts von einem “final-fertig-mit-Schleifchen”-Ansatz, bei dem man ein Design erst ganz am Schluss den Lesern präsentiert. Ist der aktuelle Stand dieses Cover perfekt? Vielleicht. Vielleicht auch überhaupt nicht. Aber das ist egal.

Ich kann bereits jetzt mit dem Buchcover arbeiten, indem ich es auf meiner Seite und bei ersten Testanzeigen verwende. Dabei wird sich herausstellen, wen es anspricht und warum. Wenn Das Register endlich auf Amazon zu finden sein wird, werde ich ganz sicher A/B-Tests fahren. Das heißt ich werde jeweils für ein paar Wochen eine bestimmte Variation des Covers verwenden und anschließend auswerten, welches Cover am besten funktionier hat.

Mit ziemlicher Sicherheit wird sich also an dem Cover noch etwas tun. Und wenn ihr eure Meinung oder Ideen loswerden wollt, immer her damit! Schreibt mir gerne in den Kommentaren, auf Facebook, twitter oder Instagram.