In diesem Jahr habe ich mehr gelesen, als in jedem Jahr davor: Knapp 30 Bücher. Das ist zwar im Vergleich zu dem, was die meisten Buchblogger “weglesen”, nicht besonders viel, für meine Verhältnisse aber bahnbrechend (das Jahr davor habe ich genau zwei Bücher gelesen).

Diese vier belletristischen Bücher haben mir besonders gut gefallen:

Das Licht der letzten Tage

Das Licht der letzten Tage

Kein Buch hat mich in diesem Jahr so sehr bewegt wie Emily St. John Mandel’s Roman. 99 Prozent der Weltbevölkerung fallen einer Grippe zum Opfer, das Buch verwebt die Zeit vor und zwanzig Jahre nach der Pandemie. Die Geschichte lässt sich in kein Genre pressen und ist definitiv keine typische Postapokalypse. Gerade das macht ihren Reiz aus. Wenn ihr das Buch bis jetzt nur auf der Leseliste habt - unbedingt hervorholen!

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Gone Girl

Gone Girl - Cover

Ein Megaseller, noch dazu schon vier Jahre alt, aber ich hatte wie erwähnt Aufholbedarf. Die Meinungen gehen bei Gillian Flynn’s Thriller auseinander. Ich gehöre zu den Fans. Das Buch ist spannend, von Anfang bis Ende, und das obwohl die typischen Thriller-Elemente Mord, Blut und Cliffhanger nur sehr sparsam verwendet werden. Faszinierende Charaktere und die abwechselnde Sichtweise geben der Geschichte Pfeffer. Und Gone Girl ist Psycho. Sehr.

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Das Lavendelzimmer

Das Lavendelzimmer - Cover

Offiziell dürfte mir dieser “Frauenroman” ja nicht gefallen, aber Genre-Schubladen und ich sind ohnehin keine Freunde. Nina George schafft es, die großen Themen des Lebens - Liebe, Verlust und Neuanfang - in eine absolut charmante und stille Geschichte zu verweben, in der man einfach nur versinken möchte.

Hauptfigur ist Monsieur Perdu, der in Paris eine Buchhandlung auf einem Lastkahn betreibt und seinen Kunden passende Bücher “verschreibt”. Seine Buchhandlung ist bekannt als “Die Bücherapotheke”. Ihr ahnt es schon: Nur für sich selbst und seinen Schmerz hat Perdu bis jetzt kein Medikament gefunden. Bis es soweit ist, hat er, zusammen mit seinem Schiff, eine buchstäbliche und zugleich symbolische Reise durch Südfrankreich hinter sich.

Fazit: Ein poetisches Buch, perfekt als Lektüre für den Strand, aber auch gut geeignet, um sich gerade jetzt ein Stück sommerliches Frankreich nach Hause zu holen. Das Buch sollte man unbedingt in einem Stück lesen. “Dann entfaltet es seine volle Wirkung”, wie Monsieur Perdu sagen würde.

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Der Blogger

Der Blogger - Cover

“Brosi ist die Zukunft des deutschen Kriminalromans” behauptet die Website zum Buch und das würde ich glatt unterschreiben - wenn das Buch nicht so ein Geheimtipp wäre. Erfahren habe ich eher durch Zufall davon (am Azubistro der Buchmesse 2015 hielt Patrick Brosi eine Lesung, ich bekam gerade die letzten zwei Minuten mit).

Die Geschichte dreht sich um eine Verschwörung innerhalb der Pharmaindustrie, ein Enthüllungsblogger versucht sie aufzudecken - und verschwindet spurlos. Eine ehrgeizige Journalistin und ein schrulliger Kommissar versuchen, dem Blogger samt seinem Geheimnis auf die Spur zu kommen. Beide unterschätzen ihre Gegner.

Patrick Brosi ist ein toller Erzähler und spielt in diesem Buch mit verschieden Zeitebenen und Perspektiven. Alle Figuren sind interessant und vielschichtig. Ein echter Kracher, den ihr unbedingt lesen solltet. Und danach anderen davon erzählen!

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Zum Abschluss möchte ich noch erwähnen, dass mich 2016 auch einige Bücher sehr enttäuscht haben. Und interessanterweise waren es immer Bestseller. Den Überflieger “Die Falle” zum Beispiel fand ich mittelmäßig, “Der Marsianer” habe ich sogar abgebrochen (ja wirklich).

Ernsthaft schockiert hat mich “Obsidian Schattendunkel”. Das Buch ist ein internationaler Bestseller, begeistert Leser, Blogger und teils auch die Fachpresse (“clever inszenierte Story”, “Alles an und in dem Buch ist perfekt!”). Ich fand es grauenhaft. Ein lahmer, verworrener Einstieg, ein dämlicher “Bad Boy”, dessen Zauber sich mir nicht erschloss - es gibt offensichtlich eine sehr definierte Zielgruppe für dieses Buch und ich bin kein Teil von ihr. Ich weiß noch, dass von irgendwoher ein Bär auftauchte, als ich das Buch zumachte.

Für 2017 ist mein Vorsatz, weniger den Bestsellern hinterher zu jagen und mehr auf die Empfehlungen von Freunden und Buchbloggern zu horchen. Es gibt noch unzählige Schätze zu heben. Und es gibt viele Schatzsucher, die uns dabei eine große Hilfe sind.