Vielleicht ging es dir diese Woche auch so: Die Hitzewelle treibt einem nicht nur den Schweiß auf die Stirn, sondern holt auch unbequeme Gedanken hervor. Zum Beispiel:

Wird das hier für mich (und meine Kinder) bald ein ganz normaler Sommer sein? Wochenlange Dürre, Waldbrandgefahr, absolutes Schöpfverbot in deutschen Flüssen?

Es sieht so aus.

Aber diesen Satz hab ich nicht gedacht. Diesmal nicht.

Ein paar Tage vor der Hitzewelle habe ich auf dem Open Source Congress einer Podiumsdiskussion zum Thema “Zukunft” gelauscht. Zwischen Celebrity-Gästen wie Richard David Precht saß ein Mann, dessen Namen ich bis dahin nur von der Brötchentüte kannte.

Roland Schüren, Bäckermeister aus Düsseldorf. Schürens Firma experimentiert beim Heizen der Öfen mit Altbrot-Pellets, setzt bei der Backstube auf Photovoltaik und nutzt den überschüssigen Strom für eine eigene Elektro-Flotte. Und weil ihm keiner das passende Elektro-Auto liefern konnte, hat Schüren es kurzerhand selbst bauen lassen. Das Bakery Vehicle 1.

Es gibt sie, direkt vor meiner Haustüre: Vordenker, die nicht auf irgendwen warten, um die Welt besser zu machen. Und die sich nicht einreden lassen, ihre Branche sei doch sowieso nicht innovativ. Wenn man die Augen offenhält, sind diese Menschen direkt vor der Haustür.

Meine Kollegin Pia hat es vor einiger Zeit in diesem lesenswerten Post auf den Punkt gebracht:

Wer sagt, dass man “alleine ja sowieso nichts tun kann”, hat recht. Was wir als Einzelne tun, hat höchstwahrscheinlich keine messbare Auswirkung auf die Zukunft.

Aber in Roland Schürens “E-Transporter Selbsthilfegruppe” sind jetzt zwanzig weitere Bäcker. Die Facebook-Gruppe hat 1.500 Fans. Ist das ganze auch gute PR für seine Bäckerei? Natürlich. Gut so.

Um es mit Pia zu sagen:

“Soll ich jetzt alles auf einmal ändern, oder wie? Nein, nicht alles auf einmal. Aber zwei halbe Vegetarier sind auch ein Ganzer.”

Auf einen erfolgreichen Sommer!

Fotoquelle: sipgate