Der Abspann surrt über die Leinwand und ihr zieht euer Fazit. Spannende Action, tolle Charaktere, aber eines hat den Gesamteindruck geschmälert: Die Logikfehler! Wie konnte Hollywood diese Unstimmigkeiten im Drehbuch übersehen? Warum ist es bitteschön so schwer, eine Geschichte, die logisch und schlüssig ist, zu schreiben?

Zeit, euch davon zu erzählen, wie ich die Welt hinter dem Roman “Das Register” konzipiert habe. Dabei wird klar, warum es sauschwer sein kann, eine fiktionale, aber logische Welt zu erschaffen. Und warum man als Leser von dieser Tortur nichts bemerkt.

“Das Register” spielt mit einer Idee, die Logikfehler magnetisch anzieht: Zeitreisen. Einmal nicht aufgepasst, landet man schnell in Paradoxa, Kuriositäten und Situationen, in denen alle aufschreien und sagen: “Ha! Unlogisch!”.

In dem Buch nutze ich ein paar Kniffe, um die üblichen Zeitreiseprobleme zu umgehen und zu Anfang war ich mir sicher, alles im Griff zu haben. Bald aber wurde mir klar, dass die Welt, die ich da konstruierte, die üblichen Logikprobleme noch einmal verzehnfachte! Und mit jeder Lösung, die ich mir überlegte, tat sich ein neues Problem auf.

Über Monate verbrachte ich viele, viele Stunden damit, über diese Welt nachzudenken. Mehrmals war ich kurz davor, alles hinzuwerfen. Das lag hauptsächlich an drei Problemen:

1. Eine Welt, in der nichts schiefgeht

Die Welt, in der “Das Register” spielt, ist technologisch nicht viel weiter als die unsere. Der große Unterschied: Nachrichten in die Vergangenheit sind möglich. Das wird natürlich gnadenlos ausgereizt. Ein vollautomatisiertes System “reversiert” Unfälle und Verbrechen, ohne dass jemand noch groß etwas davon bemerkt.

Klingt gut, oder? Find ich auch. Aber für eine Geschichte ist es DER HORROR.

Schließlich lebt eine Geschichte von Konflikten. Und Bedrohungen. Und der Möglichkeit, dass alles, was schief geht, auch wirklich schief geht.

Nachdem ich mir die Mechanismen für eine perfekte Welt überlegt hatte, konnte ich mir also ausdenken, wie man diese wieder Regeln aushebeln konnte. Simple Tricks waren nicht erlaubt. Das hätte das Settings unglaubwürdig gemacht.

Auf Marathon zu einer Lösung stieß ich gleich auf Problem Nummer Zwei.

2. Eine Welt, in der es nur noch den Freitod gibt

Es gibt keine Unfälle mehr. Krebserkrankungen werden sozusagen mit der ersten Krebszelle behandelt. Herzinfarkte können verhindert werden. So sähe eine Welt aus, in der wir uns vor unserem eigenen Tod warnen und rechtzeitig gegensteuern können. Aber: ewig leben würden wir trotzdem nicht.

Wann also würden wir das Wettrennen gegen unsere Sterblichkeit abbrechen? Und wie? Könnten wir überhaupt verhindern, dass die Welt automatisiert für unsere Lebensrettung einsteht, wenn wir das gar nicht mehr wollen? Darf man das überhaupt?

Diese Fragen haben zu jeder Menge Knoten in meinem Kopf geführt. Ich habe so häufig “Selbstmord Selbstbestimmungsrecht” und ähnliches gegoogelt, dass mein Suchprofil wahrscheinlich alarmierend aussieht. Die Recherche war aber notwendig, weil auch eine abgedrehte Zukunftsvision intuitiv schlüssig erscheinen muss. Der Kodex der Register-Welt muss eine logische Entwicklung der Regeln sein, die wir heute schon befolgen.

Während all dies noch lösbare Probleme waren, hat mir folgendes Paradoxon das größte Kopfzerbrechen bereitet.

3. Eine Welt, in der Gegner ihre Fehler ausbügeln können

In jeder Geschichte muss der Held dem Antagonisten eine Nasenlänge voraus sein, zumindest ab und zu. Sonst ist das Buch ziemlich schnell zu Ende.

Wenn aber meine Hauptfigur gegen Feinde kämpfen sollte, die die Möglichkeit des “Reversierens” nutzten (und ganz ehrlich: Wo wäre sonst der Spaß?), wie konnte er dann auch nur eine Sekunde überleben? Jede Schlacht, die er gewann, würde doch augenblicklich rückgängig gemacht werden!

Selbst Testleser, die nur die ersten Kapitel gelesen hatten, stellten sofort die gleiche Frage: Wie soll das funktionieren? Unlogisch!

Ich habe ingesamt Monate dafür gebraucht, eine glaubwürdige Lösung für dieses Problem zu finden. Und selbst nach Vollendung des Manuskripts immer weiter daran gefeilt.

So. Jetzt ab genug gejammert. (Das waren nur die drei größten Brocken! Mannomann!)

Am Ende bleibt es unsichtbar

Interessant ist, dass die meisten Leser von dieser Tortur im fertigen Buch nichts bemerken werden. Und wenn doch, ist etwas schief gelaufen. Wie schon Blaise Pascal richtig bemerkte: “Die besten Bücher sind die, von denen jeder meint, er hätte sie selbst schreiben können.” Im besten Fall fühlen sich also all die vielen Details nach der einzig logischen Möglichkeit an.

Mein Tipp: Achtet mal bei der nächsten Dystopie oder dem nächsten Science-Fiction auf die vielen, scheinbar unwichtigen Details. Möglicherweise haben die Autoren ebenfalls Monate darüber gebrütet.

Und wenn euch dann doch ein Logikfehler begegnet? Naja. Schwamm drüber.